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ZAGORI - Die Steinbrücken von Zagori - UNESCO Weltkultur Landschaft

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2017-08-29 2024-03-24 29.08.2017
Plakidas Bruecke Kipi 0006
Plakidas-Brücke, Zagori UNESCO Weltkultur Landschaft

Zwei Autostunden von der Küste entfernt, dort, wo der gebirgige, wildromantische Epirus am höchsten und nur schwer zugänglich ist, befindet sich einer der größten Schätze dieser Region, die malerischen Dörfer der Zagória. Mit ihren traditionellen Herrenhäusern aus Naturstein, ihren Kirchen und Klöstern, den steinbepflasterten Gassen und den mit Stufen versehenen Steinwege (die "Skales"), die die Dörfer miteinander verbinden, prägen sie diese einmalige Region. Die Landschaft besteht aus hohen Bergen, tiefen Schluchten (mit der tiefsten Schlucht der Welt, der Vikos-Schlucht) und vielen Flüssen. Im Winter verhindern die reißenden Flüsse den Zugang zu den benachbarten Dörfern und zu Weiden und Äckern. Um dann nicht von aller Welt abgeschlossen zu sein, bauten die Menschen des Epirus viele Brücken. Diese Brücken sind ein fester Bestandteil der Zagoria geworden und gehören zum besonderen Charakter dieser Region. Hier findet man die faszinierendsten und ältesten Brücken-Exemplare.

Zagoria Steinbruecken 0033
Kouitsas-Brücke, Zagori UNESCO Weltkultur Landschaft

Seit dem 14. Jahrhundert ist die Besiedelung der Berggegend belegt. Ab dem 18. Jahrhundert wurden die zahlreichen Holzbrücken über die unberechenbaren Flüsse der Gegend durch solide Steinbrücken ersetzt. Bezahlt wurden sie von reichen Einwohnern der Dörfer, weshalb viele Brücken nach ihren Stiftern benannt wurden. Die Brückenbaumeister des Epirus waren damals berühmt und hoch respektiert für ihre Baufertigkeiten. Ihr Wissen erwarben sie nicht durch eine Ausbildung, sondern aus ihrer praktischen Erfahrung. Dabei benutzten sie eine Geheimsprache, das Koudaritika, um ihr berufliches Wissen zu schützen. Der Typus der “Epirusbrücke” ist im ganzen Balkan vertreten (Mostar), und auch in der Schweiz (Engadin) findet man Bauten nach dem gleichen Muster. Die Steine für die Brücken  mussten kompakt und belastbar sein und durften keine Risse aufweisen. Häufiges Baumaterial war der Schiefer, der in dieser Region reichlich vorhanden ist. Die Bögen wurden von den Gilden der Brückenbauer, den Kioproulides, auf Holzgerüste gesetzt. Die Gerüste wurden gleichzeitig von beiden Seiten des Flusses gebaut und erst nach Einfügen des letzten Steines hielt die Brücke und die Holzgerüste konnten entfernt werden. Einige Brücken besitzen an der Basis noch kleine Durchbrüche, um bei Hochwasser den Durchfluss durch die Konstruktion zu erleichtern. Es gibt ein-, zwei- und dreibögige Brücken. Der Übergang über die Brücke wurde meist durch ein Geländer aus aufrecht stehenden Steinen, den Arkades, gesichert. Inzwischen sind allerdings viele Arkades verschwunden. 

Wegen des schwierigen Bauwerks sind unterschiedliche Volkssagen entstanden, gemäß denen böse Geister die Fertigung einer Brücke verhindern wollten. So behauptet eine Sage, dass eine Brücke erst dann nicht mehr einstürzte, als der Baumeister die eigene Frau darin einmauerte.

Als besonders sehenswert gelten die einmaligen Steinbogenbrücken in und um Kipi, die zum Teil mit mehreren Bögen ausgestattet sind:

Zagoria Steinbruecken 0006
Minas-Brücke, Zagori UNESCO Weltkultur Landschaft

Die Minas-Brücke bei Dhilofo, ca. 6 km vor Kipi auf der rechten Seite der Autostraße, führt über einen Bach zur Kapelle Agios Minas.

Zagoria Steinbruecken 0018
Kapetan-Arkouda-Brücke, Zagori UNESCO Weltkultur Landschaft

Die Kapetan-Arkouda-Brücke bei Dhilofo, kurz hinter der Minas-Brücke auf der linken Seite der Autostraße.

Zagoria Steinbruecken 0024
Kokkoris-Brücke, Zagori UNESCO Weltkultur Landschaft

Die Kokkoris-Brücke oder Noutsios-Brücke aus dem Jahr 1750 wurde nach dem gleichnamigen benachbarten Müller benannt und liegt rechts neben der modernen Betonbrücke, die nach Kipi führt. Sie kann als Prototyp jener alten Steinbrücken gelten, deren Schwung die Schwerkraft mühelos zu besiegen scheint und die der Region Zagori (Epirus) nördlich der Stadt Joannina das Gepräge geben.

Zagoria Steinbruecken 0015
Plakidas-Brücke, Zagori UNESCO Weltkultur Landschaft

Die Plakidas-Brücke (oder Kalogeriko-Brücke), 1 km vor Kipi auf der rechten Straßenseite, überquert den Bagiotiko-Bach und wurde 1814 fertiggestellt. Mit ihren drei Bögen ist sie ein Kennzeichen der Zagori-Region.

Zagoria Steinbruecken 0030
Kontodimos-Brücke, Zagori UNESCO Weltkultur Landschaft

Die Kontodimos-Brücke oder Lazaridis-Brücke (1753) über den Baghiotiko liegt in der letzten Kehre auf der linken Straßenseite ca. 300 m vor Kipi.

Zagoria Steinbruecken 0001
Milos-Brücke, Zagori UNESCO Weltkultur Landschaft

Die Milos-Brücke (von 1748) liegt in, bzw. kurz hinter Kipi auf der rechten Straßenseite. Der seltene Fahrzeugverkehr wird durch eine Furt neben der Brücke geleitet.
Die Lakos-Pavis-Brücke liegt ca. 1 km hinter Kipi auf der rechten Straßenseite in einem Waldstück.

Zagoria Steinbruecken 0013
Pitsionis-Brücke, Zagori UNESCO Weltkultur Landschaft

Die Pitsionis-Brücke über den Baghiotiko liegt kurz nach der Lakos-Pavis-Brücke rechts der Straße.
Eine kleine, von der Straße verdrängte Brücke bei Meghali Sternitsa liegt auf der linken Straßenseite ca. 5 km hinter Kipi.

Zagoria Steinbruecken 0008
Misios-Brücke, Zagori UNESCO Weltkultur Landschaft

Die Misios-Brücke befindet sich in der Vikos-Schlucht und liegt links der Straße, die von Kipi über Koukouli nach Vitsa führt. Sie ist eine Zweibogenbrücke, welche 1748 erbaut wurde.
Kurz vor Vrisochori liegt links der Straße diese kleine Bogenbrücke.
Hinter Vrisochori, aber noch vor dem Aoos-Fluss, liegt diese Bogenbrücke am linken Straßenrand.

Zagoria Steinbruecken 0036
Voidomatis-Brücke, Zagori UNESCO Weltkultur Landschaft

Die Voidomatis-Brücke, die man überquert, wenn man nach Papigo fährt.

Arta 0001
Arta-Brücke

Die legendäre Brücke bei Arta über den Arachthos wurde 1612 erbaut und isst mit ihren vier Bögen und einer Gesamtlänge von 130 m eine der ältesten Steinbrücken Griechenlands.  Der Legende nach musste der Baumeister seine Frau in die Fundamente der Brücke einmauern, damit die Brücke standfest blieb. Bis zu ihrem Tode stürzten über Nacht immer jene Teile ein, die am Tage vorher errichtet worden waren. Erst als der Baumeister seine junge Frau opferte, blieb die Brücke stehen.