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SEENHÖHLE - Höhle der Seen - Ein unterirdisches Wunderwerk in Achaia

  756 Wörter 3 Minuten 23.768 × gelesen
2017-01-30 2023-03-21 30.01.2017
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Höhle der Seen, Kastria

Ein unterirdisches Wunderwerk hat die Natur in der Nähe des Dorfes Kastria (Achaia) im Helmosgebirge gebaut: Die faszinierende Seenhöhle, in der auf drei „Stockwerken“ 13 Seen liegen. Das untere Stockwerk der Seenhöhle ist bereits seit der Antike bekannt und hat, wie fast jeder Ort in Griechenland, seinen eigenen Mythos, den uns Pausanias überlieferte: Die drei Töchter des Königs Proitos von Tiryns hatten den schweren Frevel begangen, sich für schöner zu halten als Hera, die Gemahlin des Zeus. Diese bestrafte die Mädchen auch prompt für ihren Hochmut indem sie sie in den Wahn verfallen ließ, dass sie Kühe seien. Brüllend rasten sie nun durch das Land, bis sie an der Seenhöhle auf den Heiler Melampus trafen, der sie von ihrem Wahn kurierte.

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Höhle der Seen, Kastria

In der Antike war die Höhle das Bett eines unterirdischen Flusses, der sein Wasser aus dem nahe gelegenen Hochland Apanokampos bezog und in die 8km entfernten Quellen des Flusses Aroanias mündete. Im Lauf der Jahrhunderte änderte der Fluss seinen Lauf. Das Wasser, das heute, vor allem nach der Schneeschmelze, in den Seen zu sehen ist, stammt aus kleineren Quellen.

Im unteren Teil der Höhle wurden Knochen von Menschen und verschiedenen Tieren entdeckt. Eine Sensation war der Fund von Knochen eines Flusspferdes. Die Funde sind zum einen Teil bei der Höhle ausgestellt, der andere Teil befindet sich im Paläontologischen Museum in Athen.

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Höhle der Seen, Kastria

Der obere Teil der Höhle wurde erst 1964 von Einwohnern des Dorfes Kastria entdeckt, die auf Holzleitern mühsam die 9m hohe Stufe erklommen und ihren Augen nicht trauten, als sie vor dem ersten See standen. Im Jahr darauf begann die systematische Erforschung und Vermessung der Höhle. Die touristische Erschließung durch die Griechische Zentrale für Fremdenverkehr begann im Jahr 1981, fortgesetzt wurde sie von der Gemeinde Kastria, die dabei unterstützt wurde von der Präfektur Achaia und von der EG. Man kann sagen, dass dieses Projekt gelungen ist und wünscht sich, dass es Nachahmer findet, denn im Gegensatz zu vielen anderen Sehenswürdigkeiten in Griechenland ist hier nicht nur der Anfahrtsweg hervorragend ausgeschildert, es gibt auch Informationsmaterial in mehreren Sprachen - was man an vielen Orten so sehr vermisst - und der gesamte Bereich um die Höhle ist ansprechend gestaltet mit lauschigen Schattenplätzchen unter Bäumen, wo man vor oder nach dem Besuch der Höhle einkehren und sich erfrischen kann.

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Höhle der Seen, Kastria

Zur Erleicherung des Eingangs wurde seitlich über dem natürlichen Eingang der Höhle ein 40 m langer Stollen in den Fels getrieben , der direkt auf die zweite Ebene der Höhle führt. Von der bisher erforschten Höhlenlänge von 1980 m sind durch die Schwierigkeit des Geländes bisher leider nur 500 m für die Besucher zugänglich. Vom nicht zugänglichen Teil sind an der Wand des Eingangsstollens eindrucksvolle Dias zu sehen. Am Ende des Stollens gelangt man in die „Fledermauskammer“, die ihren Namen den fünf hier heimischen Fledermausarten verdankt. Die ersten Stalaktiten in Kataraktform kann man am Ende der Kammer bewundern nachdem man über eine künstliche Hängebrücke gegangen ist.

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Höhle der Seen, Kastria

Etwas weiter sind am Boden die ersten Steinwannen zu sehen, die aus den Ablagerungen des Kalziumkarbonats während der jahreszeitlich bedingten Trockenperioden entstanden sind. Auf dem weiteren Weg gibt es immer wieder Anlass, die Wunder zu bestaunen, die hier von der Natur geschaffen wurden. Da sind „wehende Sintervorhänge“, die sich von der Decke bis hinunter zum Höhlenboden ziehen und weiße, wie von Gischt überzogene, steinerne Katarakte. Etwa in der Mitte der Höhle erreicht das Deckengewölbe die imposante Höhe von bis zu 30m. Bald danach kommt der Abschnitt, der die Höhle ihre Einzigartigkeit unter den bisher bekannten Tropfsteinhöhlen Griechenlands verdankt: Hier sind die großen, abgestuften Steinwannen zu sehen, die sich nach der Schneeschmelze alle mit Wasser füllen. Einer der großen Seen, der auch im Sommer mit Wasser gefüllt ist, hat eine Länge von 40 m, ist 10 m breit und 5,5 m tief. Während der Sommermonate sind auch die bis zu 3 m hohen Dämme zwischen den Seen zu sehen. Hier endet der erschlossene Weg durch die Höhle der Seen und man hofft, dass die Erschließungsarbeiten wie geplant fortgesetzt werden und man beim nächsten Besuch auch die übrigen 1480 m der Seenhöhle bewundern darf.