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LINDOS - Sinfonie aus Antike und Mittelalter auf der Sonneninsel Rhodos

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2017-01-07 2024-03-30 07.01.2017
Lindos Rhodos 0003
Lindos, Rhodos

Lindos, 46 km von der Stadt Rhodos entfernt, liegt amphitheaterartig an den Ausläufern des 458 m hohen steilen Felsens Marmari. Lindos ist für viele Griechenlandreisende der Inbegriff einer Inselstadt. Eindrucksvoll ist hier das Zusammenspiel von Antike und Mittelalter, von Landschaft und Architektur, von Blau und Weiß. 1998 wurde die Akropolis von Lindos von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt.

Lindos-Stadt

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Lindos Rhodos, Luftaufnahme

Lindos wie auch die Altstadt von Rhodos steht unter Denkmalschutz. Leider hat das Städtchen selbst durch den Pauschaltourismus seine Ursprünglichkeit verloren. Souvenirläden, einer neben dem anderem trüben das Bild der weißen Häuser. Doch beim Bummeln durch die kieselgepflasterten engen Winkelgassen findet man immer noch kunstvolle Portale und Häuser mit schattigen Höfen.
Und immer wieder entdecken wir diesogenannten Kapitänshäuser von Lindos mit ihren reichen Ornamenten, aus lokalem grau-braunem Naturstein erbaute Herrenhäuser des frühen 17. Jahrhunderts. Diese Häuser sind große, fast quadratische Kuben mit Portalen und kunstvoll eingefaßten Fenstern, die mit reicherReliefornamentik aus der spätbyzantinischen, türkischen und aus der Zeit der Johanniterritter bestückt sind.

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Antikes TheaterLindos, Rhodos Luftaufnahme

Erwähnenswerte Überbleibsel aus der Antike sind die Reste eines Theaters. Es ist mit 26 Sitzreihen in den Felsen eingetieft. Bis zu acht Treppen erleichterten den 2500 Zuschauern den Zugang.Leider ist von der Bühne nichts erhalten.
Sehenswert ist auch die Kirche der Panagia in der Mitte der Stadt. Sie wurde wahrscheinlich im 14. Jh. erbaut. 1489 ließ der Großmeister d´Aubusson die Kirche erneuern und einen Glockenturm hinzufügen, der sein Wappen trägt. Die kreuzförmigeKirche besitzt eine achteckige Kuppel. Der Innenraum ist ganz bedeckt mit sehr gut erhaltenen Wandmalereien von 1779 und hervorragende Holzschnitzereien. Den Fußboden bedeckt ein Kieselsteinmosaik, dessen schwarze und weiße Steine ein Zickzackmuster bilden. Diese Technik des Kieselmosaiks, bei den Griechen auch „Chochlaki“ genannt, stammt aus hellenistischer Zeit und wurde besonders in der byzantinischen Zeit angewendet.
Südlich des Felsen liegt der zweite Hafen von Lindos, Agios Pavlos. Er wird so genannt, weil nach der Überlieferung der Apostel Paulus 51 n.Chr. auf seiner 3. Missionsreise an dem einzigen natürlichen Hafenbecken der Insel bei Lindos an Land ging und die ersten christlichen Gemeinden auf Rhodosgründete. Am rechten Rand der Bucht befindet sich eine kleine Kapelle, die dem Apostels Paulus geweiht ist.

Lindos-Mittelalterliche Burg

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Lindos Rhodos, Luftaufnahme

Den steilen Felsen, der die Akropolis des antiken Lindos trug, bauten die Rhodos-Ritter zu einer mächtigen Burg aus. Unter der Zeit der Großmeister des Johanniter-Ordens Antoine de Fluvian (1421-1437) und Pierre d´Aubusson (1476-1505)sicherte eine dreifache Befestigung den Eingang zur Burg.Zur weiteren Sicherung errichtete man einen gewaltigen, an verschiedenen Stellen zweifachen Mauerring. Am Fuße des steilen Aufgangs befindet sich das hellenistische, ausdrucksvolle antike Hochrelief eines Schiffes mit Exedra. Das 4,76 m lange Relief zeigt lediglich das bis zu 5,50 m aufragende Heck des Schiffes. Es war als Ehrendenkmal für den Admiral Hagesandros gemeißelt worden anläßlich eines rhodischen Seesieges um 180 v.Chr. und ist das Werk des rhodischen Bildhauers Pythokritos (der vermutlich auch die berühmte Nike von Samothraki schuf). Eine steile Treppe, der einzig mögliche Zugang, führt zum Eingang der antiken Akropolis von Lindos.

Lindos-Athena Heiligtum

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Tempel der Athena Lindia, Lindos Rhodos, Luftaufnahme

An der höchsten Stelle der Akropolis, einem dreieckigen Felsen, liegt über steil abfallenden Felsen das Heiligtum der Athena Lindia. Der erste Tempel, im 6. Jh. erbaut, wurde vielleicht unter dem Tyrannen Kleobulos errichtet, einem der berühmten sieben Weisen der Antike,und wurde 392 v.Chr. durch einen Brand vernichtet. Der jüngereTempel wurde in der Mitte des 4. Jh. v.Chr. auf den Grundmauern des alten errichtet. Er war ein schmaler Bau von 7,75x21,55 m mit je 4 dorischen Säulen vor den Schmalseiten. Die Anlage, die zunächst nur aus dem Tempel und wenige Schatzhäusern bestand, wurde erheblich erweitert. Ein Peristylhof von 20 m Breite und 13 m Tiefe wurde angelegt, der von Hallen begrenzt war. Zwischen 2 Risaliten im Abstand von 22,80 m erstreckte sich eine 7 m tiefe dorische Säulenhalle. Hinter der 10-säuligen Mitte als Durchgang überwand eine breite Freitreppe die Höhe von 5,50 m in 35 Stufen. Um 200 v.Chr. wurde dieser Anlage ein weiterer Hallenbau von 87 m Länge in dorischer Ordnung vorgelegt, der fast die ganze Plateaubreite der Burg einnahm, eines der großartigsten Bauwerke des Hellenismus in Griechenland.

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Tempel der Athena Lindia, Lindos Rhodos, Luftaufnahme

Dänische Grabungen legten die Riunen des Altertums frei, und italienische Archäologen sorgten für eine teiweise Rekonstruktion. Einige Bauglieder wurden nach den Ausgrabungen wieder aufgerichtet.Doch von den unzähligen Statuen, die der Athena Lindia gestiftet waren, sind nur noch wenige bei den Ausgrabungen gefunden worden, da im Jahre 42 v.Chr. Cassius 3000 Statuen aus Rhodos raubte, von denen die meisten aus Lindos stammen. Zu den wichtigsten Funden der Ausgrabungen gehören zwei Marmortafeln, die von Timachidas, einem Priester der Athena Lindia, im Jahre 99 v.Chr. beschriftet worden sind. Diese berühmte hellenistische Inschrift, bekannt auch als die „Lindische Chronik“, beinhaltet ein Verzeichnis aller Priester der Göttin, Epiphanien der Göttin sowie Weihgaben und ihre Stifter wie Pharao Amasis, Artaxerxes – der Großkönig der Perser, Alexander den Großen, Ptolemaios II. und Pyrrhos.

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Tempel der Athena Lindia, Lindos